2020 - 2021  ERWACHEN AM AUGENBLICK

26. September, 2020
Begehen – Begegnen – Betrachten
Ein Rundgang mit Werner Schmidt

Unter den Türmen
Geröll
ewiger Fels
geborsten
die grauen Halden
unwegsam
ich gehe
gehe unbemerkt
nur das Wunder
geht mir voran

                   W.S.


Werner Schmidt führt uns durch seine Ausstellung, «Bergell vis-à-vis – Alberto Giacometti in memoriam», mit Zeichnungen der schroffen Gipfelketten dieses Bergtals. Wir besuchen die permanente Sammlung des Museums mit Werken von Alberto und Diego Giacometti, Varlin, u.a.


Anschliessend begeben wir uns hinauf nach Soglio für einen Spaziergang zum Standort des Zeichners und erkennen die Verbindung von Sehen und Darstellen, in dem unser Blick den Strukturelementen der Landschaft, dem Fluss ihrer Linien und Formen folgt, Licht und Schatten aufnimmt. Ein Begehen also, das uns dem staunenden Sehen wieder nahe bringt – sehen wie Kinder, erfüllt von Glück und Wunder.

Hier im Bergell, inmitten einer gewaltigen Bergkulisse, nahm auch Giacomettis Werk, das ausschliesslich der Wahrheit des Blicks verpflichtet ist, seinen Anfang. Ihn zu ehren heisst auch: wieder das Mass finden, heute, in einer Zeit masslosen Umgangs des Menschen mit sich selbst und mit der Natur.


Werner Schmidt, Maler, Pädagoge und Mitgründer der Fondation Lascaux. Für ihn stellt die Ethik des künstlerischen Handelns einen zentralen Wert dar. Maler ist er geblieben, aber seine Werkstatt ist jetzt sein Wildgarten. Hier schaut er zu, schaut wie ein Hirte, der auf die Bewegungen seiner Herde schaut. Zentrales Anliegen seiner künstlerischen Praxis wie seiner Lehrtätigkeit: Demut und Staunen vor dem Wunder der Schöpfung.